Oben: Blick von Neustadt Richtung Hanuschplatz/ Altstadt. Unten: Von gleicher Position Richtung Mülln fotografiert. 

 

Unten: Schotterbänke in Salzburg-Lehen. Vor allem im Winter ein Paradies für Vögel.

Durch den Rückstau werden die Schotterbänke entlang des rechten Salzachufers (Neustadt-Seite) und jene in der Mitte des Flusses (Lehen) auf Dauer geflutet. Lebensraum für Wasservögel (Möwen, Enten, Schwäne etc) geht verloren. Unten: Spaziergang mit Hund auf der Schotterbank im Oktober 2007. 

Unten: Blick vom nördlichen Ende der Schotterbank nach Süden Richtung Mülln.

 

 

Bei der Wasserrechtsverhandlung am 23.7.2008 wurden die Baukosten für das Projekt seitens der Salzburg AG mit € 80 Millionen angegeben.

Baukosten 65 Mio. - Stand 27.2.2008

Baukosten 65 Mio. - Stand 27.2.2008

Das ergibt (verglichen mit den Angaben auf der Website des Unternehmens) eine Kostensteigerung von € 15.000.000 (~ 200.000.000 Schilling) innerhalb von 5 Monaten. Das ist ein Plus von mehr als 23%! Ob das Projekt so überhaupt noch rentabel ist?
Vor allem deshalb, da die Leistung jetzt mit 13.7 MW angegeben wird. (2006 war noch von 14.8 und 2007 von 14.2 MW die Rede). Und der Gipfel: Die Jahreserzeugung bleibt unverändert bei 81 Mio. KWH.

Wie geht das? Um Aufklärung wird gebeten! 

Man glaubt es fast nicht: Wer aufmerksam ist, kann an der Salzachböschung in Salzburg-Mülln gelegentlich noch Ringelnattern (Natrix natrix) beobachten.

www.herpetofauna.at:

“Trotz ihrer großen Verbreitung in Österreich zeichnen sich regional Rückgänge ab. Vor allem in den Agrarlandschaften Ostösterreichs und in einigen inneralpinen Tallandschaften (z. B. Salzach- und Inntal) erlitt die Art in den letzten Jahrzehnten starke Bestandseinbrüche. In diesen Gebieten wurden durch großflächige Zerstörung von Feuchtgebieten in Zuge von Flussregulierungen und der Intensivierung der Landwirtschaft die Lebensräume von Amphibien, den Hauptbeutetieren der Ringelnatter, stark reduziert.”

Auch der Lebensraum inmitten der Stadt Salzburg ist bedroht: Das Projekt Kraftwerk Lehen und die damit verbundene Anhebung des Wasserspiegels könnte das Ende für diese Population bedeuten.

Salzburger Nachrichten, 25.7.2008.

Martin Pfisterer von der Salzburg AG glaubt, dass die Wasserrechtsverhandlung am Mittwoch gut gelaufen sei. Die wesentlichen Punkte seien sachlich geklärt worden. Jetzt warte der Bauherr nur noch auf den Bescheid und schupps losgeht´s. Baubeginn Herbst 2009, Baukosten 80.000.000.

Keinerlei Information gibt es von der Salzburg AG auf die Frage, wie weit der Rückstau nach einer eventuellen Errichtung des Kraftwerks Lehen reichen würde.

Zerstört Kraftwerk Salzach-Flair? – Naturschutz fordert: “Politik muss mehr Druck machen!” 

Stadtblatt Salzburg, 23.7.2008

Erstmals wurden in einem Printmedien auch kritische Töne gegenüber dem Projekt Kraftwerk Lehen geäussert. Bisher gab es ja einen weit reichenden Konsens aller Medien mit Projektbetreiber Salzburg AG. Ein Vertreter von Naturschutzbund und Aktion Grünland bringt in einem Interview Einwände aus naturschützerischen Gründen und befürchtet eine Monotonisierung des Flusslaufes, weil nach dem Aufstau der natürliche Wechsel zwischen Hoch-und- Niederwasser weitgehend wegfällt. Auch hält er nichts von der Idee, “größere Blöcke” in den Flusslauf “einzubauen”.

Im Bereich des Lehener Parks und vermutlich auch in einem kleinen Restaubestand nahe dem Messezentrum (nach anderen Angaben auch unterhalb Salzburgs entlang der Salzach) gibt es Exemplare von Populus nigra (Schwarzpappel). Dieser Baum ist in Österreich selten (u.a. “Baum des Jahres 2006″) und im Land Salzburg stark gefährdet.

Alte Schwarzpappeln

Alte Schwarzpappel/ Populus nigra im Lehener Park (Foto: B. Heinze auf waldwissen.net)

Welche Auswirkungen hätte ein Kraftwerk Lehen auf die Schwarzpappel-Population? 
  

Klingt doch wirklich nett und betont die angebliche Notwendigkeit. Niemand ahnt, dass das Wort “Stützkraftwerk” eine Erfindung der Salzburg AG ist. Zum Beweis einfach nur das Wort Stützkraftwerk bei Google eingeben und schon sieht man, dass sich fast alle der knapp über 200 Treffer auf das geplante und von der Salzburg AG forcierte Kraftwerk Lehen beziehen.

Das von Stadt und Land Salzburg herausgegebene Magazin salzburger monat berichtet auf den Seiten VI und VII von angeblich neuen Fakten zum Kraftwerk. So hätten Modellversuche an der TU Wien gezeigt, dass auch 100-jährige Hochwässer “ohne Probleme durch das Kraftwerk” abgeführt werden könnten. Diese Untersuchungen jedenfalls müssen brandneu sein, von den 100-jährigen Hochwässern war bisher noch nicht die Rede (siehe http://kraftwerklehen.wordpress.com/2008/02/21/kraftwerk-lehen-mit-hochdruck/).

Auch ist neu: Ziviltechniker der Firma Geoconsult weisen “punktuelle Verbesserungen u.a. dank geplanter Drainagen” aus, OHNE darauf einzugehen (oder ohne gefragt worden zu sein!), ob die Drainagen OHNE das Kraftwerk nicht auch eine positive Wirkungauf die Hochwassersituation hätten.

Das amtliche Monatsmagazin spricht davon, dass das “Stützkraftwerk” “an” der Sohlstufe in Lehen wahrscheinlicher werde.  

Im Bereich Glanspitz soll die Glan “renaturiert” werden. Ein Stück Auwald soll “aufgeforstet” werden. Wer bislang der Meinung war, Auwald entstünde von selbst, wird hier eines besseren belehrt: Auwald kann also auch aufgeforstet werden. Zumindest in Salzburg.

aut13209.jpg

nur wenige Kilometer unterhalb des geplanten Kraftwerks.

[10.9.2007] Das geplante Salzachkraftwerk im Salzburger Stadtteil Lehen sei keine Umweltbedrohung – im Gegenteil. Das sagt Sepp Eisl (ÖVP), Landesrat zuständig für Naturschutz und Wasserbau, und zitiert eine neue Studie.

[19.3.2008] Jetzt sind auch die Grünen der Stadt Kraftwerksbefürworter:

Stadtrat Johann Padutsch wünscht sich eine “künstlerische Gesamtleitung”, einer “rein technischen Lösung” erteilt er eine Absage…

Alles nur eine Frage des Designs??? Raumplanung, Ökologie egal? Ausgerechnet im Naturschutzverfahren soll gute Architektur durchgesetzt werden. Nichts anderes? 

Die Befürworter ohne wenn und aber:

Salzburg AG, SPÖ Land, ÖVP Land, Wirtschaftskammer

Die Befürworter mit (kleinen) Einschränkungen:

SPÖ Stadt, Arbeiterkammer, Grüne Stadt

Die neutralen Beobachter:

Grüne Land

Die Gegner:

Anrainerinitiative, kraftwerklehen.wordpress.com

Völlig überraschend hat sich jetzt auch die Wirtschaftskammer für das Kraftwerk Lehen ausgesprochen. Unlogisch freilich die ”Argumentation” des WK-Präsidenten Julius Schmalz: Einerseits nehme die Salzburg AG seiner Ansicht nach die Bedenken der Anrainer ernst, andererseits ortet er eine (”längst überwunden geglaubte”) Verhinderungsmentalität. Es sei eine “Torheit”, das Kraftwerk nicht zu bauen. Und so weiter. Von ergebnisoffener Diskussion scheint die WK nichts zu halten. 

20. Jänner 2008Salzburg AG / Anrainerbeirat
Die IBB ZT GmbH vertritt Anrainer der linken Salzachseite – Lehen bei den geplanten Grund- u. Hochwasserkonzepten der Salzburg AG für die geplante Errichtung des Kraftwerks Sohlstufe Lehen.

Quelle:  www.ibbzt.at

Blättert man in den Referenzen der IBB ZT, so bleibt zu hoffen, dass die Firma zu einer kritischen Distanz gegenüber ihren Auftraggebern Stadt (Residenzplatz, Max-Reinhard-Platz, Messe) und Land Salzburg (Messe) fähig ist.

Völlig überraschend hat sich jetzt die AK Salzburg für das Projekt Kraftwerk Lehen ausgesprochen & sieht sich offensichtlich nicht als Vertreter der Anrainer: 

Auf der Tagesordnung des AK-Vorstands stand ein weiteres aktuelles Salzburger Thema, das betroffene Anrainer auf den Plan ruft: das Kraftwerk Sohlstufe Lehen. Die AK Salzburg spricht sich eindeutig dafür aus. „Ein Stützkraftwerk, das gleichzeitig die bestehende Sohlstufe energetisch nutzt, bedeutet die buchstäblichen zwei Fliegen auf einen Streich“, so Pichler. „Gegen die Eintiefung der Salzach und die Gefahr von Einstürzen der Böschüngen muss ohnehin etwas unternommen werden, der Kraftwerksstandort Lehen – auch wenn er im Stadtgebiet ungewöhnlich anmutet – ist eine gute Lösung. Eine bessere ist nicht in Sicht.“ Voraussetzung sei natürlich, dass alle Behördenverfahren und Gutachten – insbesonder in Richtung Grundwasser- und Hochwasserschutz – positiv ausfallen.

Wenigstens wurde wurde festgestellt, dass ein Standort im Stadtgebiet zumindest ungewöhnlich ist.

Quelle: AK Salzburg

“Was die Bedenken der Anrainer betrifft, wurde von der Salzburg AG zugesagt, auch ein Alternativ-Projekt zur Sanierung der Sohlstufe und der Eintiefung der Salzach zu erwägen: Vorstandsdirektor Arno Gasteiger will die Bundeswasserbauverwaltung auffordern, ein solches vorzulegen.”

Quelle: Salzburger Fenster

Laut Architekturkritiker Norbert Mayr (Salzburger Fenster) stört ein Kraftwerk Lehen das unesco-Weltkulturerbe nicht. Er bezeichnet das Projekt von Wagner/Rieder/Freiland als “äußerst skulptural, aber überkandidelt” (ODER könnte man auch Kitsch dazu sagen?) und jenes von Feichtinger/HYL als “massiv, jedoch nicht banal”.

Quelle ORF, 5.3.2008

… Weil zwischen Werfen und Tenneck die Restwassermenge nicht groß genug ist, wird daran gedacht, das Kraftwerk in Stegenwald zu bauen. Mir ist es jetzt nicht so wichtig, wo es gebaut wird, sondern dass es überhaupt gebaut wird”, sagt Walter Blachfellner weiter.

Nicht von der EU-Richtlinie betroffen ist laut Blachfellner das geplante Kraftwerk in Salzburg-Lehen. Bei ihrer Klubklausur haben sich die Salzburger Sozialdemokraten auf einen weiteren Ausbau der Wasserkraft festgelegt.

Quelle ORF Salzburg

Die Grünen im Landtag kritisieren Umwelt- und Gewerbereferent Walter Blachfellner und werfen ihm wörtlich vor, als “Zubetonierer” zu agieren. Es geht bei dem Streit um eine EU-Richtlinie über Kraftwerke. Anlass für die Kritik sind Aussagen Blachfellners, wonach EU- Richtlinien den Bau eines weiteren Salzachkraftwerkes im Raum Tenneck (Pongau) verhindern würden.

Tatsächlich gehe es bei den Wasser-Rahmenrichtlinien aus Brüssel nur darum, dass ein neues Wasserkraftwerk zu keiner Verschlechterung der Qualität eines Flusslaufes führen dürfe, sagte Grün-Abgeordnete Heidi Reiter. Es sei unverständlich, dass ein Umwelt-Landesrat mit einem solchen Gebot offenbar “nichts anfangen” kann, ergänzt Reiter.

Die unterschiedlichen Angaben stammen von der Salzburg AG selbst, innerhalb von 8 Monaten hat sich Leistung des Kraftwerks um 0.6 MW reduziert und es ist um 2o Meter flussabwärts gewandert. Die Kosten sind gleichgeblieben: Eine knappe Milliarde Schilling, Kraftwerksbau unterliegt offensichtlich nicht der Inflation!

14.8.2006:

Gesamtinvestitionskosten: 65 € Mio
Leistung: 14,80 MW
Energieerzeugung: 87. Mio kWh (entspricht dem durchschnittlichen Jahresverbrauch von rd. 25.000 Haushalten)
Ort: ca. 150 m unterhalb der bestehenden Sohlstufe Lehen
Wehranlage: 4 Wehrfelder
Wasser- u. naturschutzrechtliches Verfahren: Jänner/Februar 2007
Baubeginn: Ende 2007
Fertigstellung: Anfang 2010

18.4.2007:

Gesamtinvestitionskosten: ca. € 65 Mio.
Leistung: 14,20 MW
Erzeugung: 81 Mio. kWh (entspricht dem Bedarf von rd. 23.000 Haushalten)
Ort: ca. 170 m unterhalb der bestehenden Sohlstufe Lehen
Turbinen: 2 Schachtturbinen
Wehranlage: 4 Wehrfelder; Breite je 16 m; Fallhöhe rd. 6,50 m

Quelle: Salzburg AG