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Das von Stadt und Land Salzburg herausgegebene Magazin salzburger monat berichtet auf den Seiten VI und VII von angeblich neuen Fakten zum Kraftwerk. So hätten Modellversuche an der TU Wien gezeigt, dass auch 100-jährige Hochwässer „ohne Probleme durch das Kraftwerk“ abgeführt werden könnten. Diese Untersuchungen jedenfalls müssen brandneu sein, von den 100-jährigen Hochwässern war bisher noch nicht die Rede (siehe http://kraftwerklehen.wordpress.com/2008/02/21/kraftwerk-lehen-mit-hochdruck/).

Auch ist neu: Ziviltechniker der Firma Geoconsult weisen „punktuelle Verbesserungen u.a. dank geplanter Drainagen“ aus, OHNE darauf einzugehen (oder ohne gefragt worden zu sein!), ob die Drainagen OHNE das Kraftwerk nicht auch eine positive Wirkungauf die Hochwassersituation hätten.

Das amtliche Monatsmagazin spricht davon, dass das „Stützkraftwerk“ „an“ der Sohlstufe in Lehen wahrscheinlicher werde.  

Im Bereich Glanspitz soll die Glan „renaturiert“ werden. Ein Stück Auwald soll „aufgeforstet“ werden. Wer bislang der Meinung war, Auwald entstünde von selbst, wird hier eines besseren belehrt: Auwald kann also auch aufgeforstet werden. Zumindest in Salzburg.

Völlig überraschend hat sich jetzt auch die Wirtschaftskammer für das Kraftwerk Lehen ausgesprochen. Unlogisch freilich die “Argumentation“ des WK-Präsidenten Julius Schmalz: Einerseits nehme die Salzburg AG seiner Ansicht nach die Bedenken der Anrainer ernst, andererseits ortet er eine („längst überwunden geglaubte“) Verhinderungsmentalität. Es sei eine „Torheit“, das Kraftwerk nicht zu bauen. Und so weiter. Von ergebnisoffener Diskussion scheint die WK nichts zu halten. 

Völlig überraschend hat sich jetzt die AK Salzburg für das Projekt Kraftwerk Lehen ausgesprochen & sieht sich offensichtlich nicht als Vertreter der Anrainer: 

Auf der Tagesordnung des AK-Vorstands stand ein weiteres aktuelles Salzburger Thema, das betroffene Anrainer auf den Plan ruft: das Kraftwerk Sohlstufe Lehen. Die AK Salzburg spricht sich eindeutig dafür aus. „Ein Stützkraftwerk, das gleichzeitig die bestehende Sohlstufe energetisch nutzt, bedeutet die buchstäblichen zwei Fliegen auf einen Streich“, so Pichler. „Gegen die Eintiefung der Salzach und die Gefahr von Einstürzen der Böschüngen muss ohnehin etwas unternommen werden, der Kraftwerksstandort Lehen – auch wenn er im Stadtgebiet ungewöhnlich anmutet – ist eine gute Lösung. Eine bessere ist nicht in Sicht.“ Voraussetzung sei natürlich, dass alle Behördenverfahren und Gutachten – insbesonder in Richtung Grundwasser- und Hochwasserschutz – positiv ausfallen.

Wenigstens wurde wurde festgestellt, dass ein Standort im Stadtgebiet zumindest ungewöhnlich ist.

Quelle: AK Salzburg

Laut Architekturkritiker Norbert Mayr (Salzburger Fenster) stört ein Kraftwerk Lehen das unesco-Weltkulturerbe nicht. Er bezeichnet das Projekt von Wagner/Rieder/Freiland als „äußerst skulptural, aber überkandidelt“ (ODER könnte man auch Kitsch dazu sagen?) und jenes von Feichtinger/HYL als „massiv, jedoch nicht banal“.

Quelle ORF, 5.3.2008

… Weil zwischen Werfen und Tenneck die Restwassermenge nicht groß genug ist, wird daran gedacht, das Kraftwerk in Stegenwald zu bauen. Mir ist es jetzt nicht so wichtig, wo es gebaut wird, sondern dass es überhaupt gebaut wird“, sagt Walter Blachfellner weiter.

Nicht von der EU-Richtlinie betroffen ist laut Blachfellner das geplante Kraftwerk in Salzburg-Lehen. Bei ihrer Klubklausur haben sich die Salzburger Sozialdemokraten auf einen weiteren Ausbau der Wasserkraft festgelegt.

Auch dieses unnötige Kraftwerk wird gebaut. Die Salzburg AG ist vernünftigen Argumenten gegenüber nicht aufgeschlossen scheint es!

(Quelle)

„Anrainerinitiative Mittlere Salzach“ mit Unterstützung der Abg. zum Nationalrat

Zustellbevollmächtigter: Mag. Alfred G. 5450 Werfen

Das vor vielen Jahren bereits als unwirtschaftlich ad acta gelegte Kraftwerksprojekt Werfen/ Pfarrwerfen an der mittleren Salzach im Salzburger Pongau soll nun doch gebaut werden. Der Kraftwerksbau wird jedoch nur durch eine Subventionierung, die durch eine Änderung des Ökostromgesetzes ermöglicht werden soll, für die Kraftwerksbetreiber interessant.

Als umweltbewusste Bürger und Bürgerinnen, die sich mit der Energieproblematik intensiv auseinandergesetzt haben, sowie als Bewohner des Salzach – Tales und unmittelbare Anrainer des geplanten Kraftwerkes ersuchen wir die Abgeordneten des Parlaments dringend, die geplante Änderung des Ökostromgesetzes in Richtung Förderung von ökologisch bedenklichen Großprojekten zu stoppen und neu zu überdenken.Wir sind der Meinung, dass der Kraftwerksbau Mittlere Salzach – Pfarrwerfen aus mehreren Gründen abzulehnen ist:

- Energiepolitische Fehlinvestition und damit Verschwendung von Steuergeldern
- Arbeitsmarktpolitisch kaum und nur zeitlich begrenzt wirksam  trotz enormer öffentlicher Förderung.
- Massiver Eingriff in einen der schönsten Teile des Salzachtales.
- Inakzeptable Nähe der Baustelle und des fertigen Kraftwerkes zu bewohntem Gebiet ( 100 m !)
Fakten zu den angeführten Kritikpunkten:


Dass der Kraftwerksbau energiepolitisch fragwürdig ist, lässt sich schon daraus ablesen, dass die Kraftwerksbetreiber (Verbundgesellschaft und Salzburg AG) das fertige Projekt trotz erfolgter Planung und Genehmigung seit 1994 „schubladisiert“ haben und ohne die geplante Änderung des Ökostromgesetzes
nicht zu bauen gedenken. Nur wenn aus öffentlichen Geldern eine Förderung von ca. 10% der Investitionssumme (bei einer Investition von 61,5 Mio € also 6,15 Mio € erfolgt, wollen die Betreiber tätig werden.

Daten zum Kraftwerksprojekt


Beginn der Bauarbeiten: Ende 2006
Geplante Fertigstellung: Ende 2008
Investitionssumme: 61,5 Mio. Euro
Engpassleistung: 16000 kW
Regelarbeitsvermögen: 76,5 Mio. kWh

Fakten zum tatsächlichen Nutzen

Die tatsächlichen Effekte des Kraftwerkbaus lassen sich aus nachvollziehbaren Daten wie durchschnittlicher Energieverbrauch pro Einfamilienhaus, dem derzeitigen Ölpreis und den Kosten für Haussanierungen mit optimaler Wärmedämmung leicht nachrechnen und ergeben ein völlig anderes Bild. Die verwendeten Zahlen stammen von Rupert Fuchs, unabhängiger Energieberater für den Pongau, und von den Kraftwerksbetreibern (Salzburg AG, Verbund):
Jahresstromverbrauch eines durchschnittlichen Haushalts: 4 000 kWh. Das ergibt bei einer Jahresleistung des Kraftwerks von 76,5 Mio kWh daher eine Anzahl von 18 875 mit Strom versorgten Haushalten. Zur Anzahl der versorgten Haushalte: Abg. zum LT und Bürgermeister von Pfarrwerfen, Simon Illmer, in einem Interview (Stadt im Spiegel, Jänner 2006): „25 000 Haushalte werden mit Strom versorgt, 200 Arbeitsplätze werden geschaffen. Dies ist ein starker Impuls für die regionale Wirtschaft.“
18 875 mit Strom versorgte Haushalte zur genannten Zahl von 25 000 Haushalten, wer liegt richtig mit den Berechnungen?

Selbst die mathematisch errechnete Anzahl von fast 19 000 Haushalten ist unrealistisch. Die Salzach ist ein Gebirgsfluss, der im Winter – also in der Zeit, in der am meisten Energie benötigt wird – sehr wenig Wasser führt. Auch die Kraftwerksbetreiber (Salzburg AG) geben zu, dass im Winter die Leistung auf ca. 10% der maximalen Leistung (= 16 000 kW), also auf 1 600 kW sinkt! Mit dieser Leistung können daher nur ca. 500 Waschmaschinen oder 30! Schneekanonen betrieben werden (von denen in unserer Region im Winter unzählige laufen) – von 25 000 Haushalten kann also keine Rede sein.

Zu den Auswirkungen auf Arbeitsplätze und auf die regionale Wirtschaft:
Die genannten 200 Arbeitsplätze sind nur während der Bauphase vorhanden, wobei nur ein geringer Teil der Arbeiter aus der Umgebung (oder überhaupt aus Österreich) kommen wird. Ein Kraftwerk wird nicht von regionalen Betrieben gebaut!

Die Impulse für die regionale Wirtschaft beschränken sich auf Aufträge für einige Zulieferfinnen (Schotter, Beton), welche allerdings offensichtlich über eine genügend starke Lobby verfügen, um den Bau gegen wirtschaftliche, energiepolitische und umweltpolitische Bedenken durchzusetzen.

Zu den Auswirkungen auf die Umwelt:

Dass ein Kraftwerksbau nicht ohne massive Auswirkungen auf die Landschaft möglich sein kann, ist ohnehin klar. Bei diesem Projekt wird der angestrebte Nutzungsgrad außerdem nur bei einer Höhendifferenz von 10,40 m zwischen dem Wasserspiegel im Staubereich und dem Wasserspiegel unterhalb der Staumauer erreicht. Von der Staumauer flussabwärts ist daher eine Eintiefung des Flussbettes von ca. 5,50 m vorgesehen. Diese Eintiefung würde verlaufend bis unterhalb des Werfener Burgberges erfolgen. Aus dem Fluss würde eine tiefe, mit Steinmauern ausgekleidete Rinne. Dieser drastische Eingriff in die Natur würde gerade in einem Landschaftsteil des Salzach – Tales erfolgen, der zur Zeit noch als Fotomotiv für die zahlreichen Touristen dient, die aus aller Welt gerade wegen dieser Kombination aus intakter Landschaft und historischen Sehenswürdigkeiten (Burg Hohenwerfen, Eisriesenwelt) nach Werfen kommen.

Zu den Einwänden von Seiten der Anrainer


Aus verschiedenen Gründen wurde der ursprünglich geplante Kraftwerksstandort weiter flussabwärts verlegt.

Keines der bereits an der mittleren Salzach gebauten Kraftwerke liegt auch nur annähernd so nahe an bewohntem Gebiet Für die Anrainer ergibt sich daher wahrend der Bauphase über mehrere Jahre hinweg eine unzumutbare Belastung. Auch nach der Fertigstellung des Kraftwerkes muss an ca. 60 Tagen des Jahres (April bis Juni) durch den Überlauf des überschüssigen Wassers mit einer massiven Lärmbelastung gerechnet werden. Der Bau des Kraftwerkes stellt zudem eine Wertminderung der Immobilien der betroffenen Anrainer dar. Die Auswirkungen des Kraftwerkes auf die Anrainer waren für die Lokalpolitiker bisher aber kein Thema. Der Bevölkerung wird der für den Bau nötige Eingriff in die Landschaft mit verschiedenen Argumenten schmackhaft gemacht. Diese erweisen sich aber bei näherer Betrachtung als sehr fragwürdig. Unberücksichtigt bei allen veröffentlichten Daten bleibt außerdem der Energieinput in das Kraftwerk bis zur Fertigstellung. Diese „Graue Energie“ bedeutet für ein Flusskraftwerk wie das geplante, dass das Kraftwerk ca. 25 Jahre in Betrieb sein müsste, um so viel Energie zu erzeugen, wie für die Fertigstellung investiert wird. Zum Vergleich: bei Solarzellen lieg: die Amortisationszeit bei nur 15 bis 24 Monaten! Ein weiterer Vergleich dient der Darstellung der möglichen Effekte, die mit einer Investition in dieser Höhe bei Verwendung des Geldes für Energiesparmaßnahmen durch Haussanierung erzielt werden könnten (am Beispiel Ölheizung, die leider immer noch am häufigsten verwendet wird: Vollwärmedämmung für ein Einfamilienhaus: 20 000 € (Erfahrungswert für Material- und Arbeitskosten) ergibt bei 61,5 Mio. € eine Anzahl von ca.3000  Häusern. Energieersparnis Heizöl pro Jahr und Haus: 1 500 Liter. Bei 3000 Häusern daher: 4.500.000  Liter. In 25 Jahren daher: 112.500.000 Liter. Bei einem realistischen Jahresnutzungsgrad einer Ölheizung von 80% und einem gegebenen Energiegehalt von ca. 10 kWh pro Liter Heizöl sind das daher 900 000 000 kWh oder 900 MW, die mit derselben Investitionssumme in 25 Jahren eingespart werden. Im Vergleich dazu beträgt die Energiebilanz des Kraftwerkes aus erzeugter Energie und für den Bau aufgewendeter Energie 0 (Null!) MWh. Was die Arbeitsplätze und die Stärkung der regionalen Wirtschaft betrifft, werden bei einer Subventionierung von Energiesparmaßnahmen (Wärmedämmung; Austausch alter, Energie fressender Geräte durch neue, sparsamere Geräte; Förderung von Solarenergieanlagen und von Niedrigenergiehäusern, Biomassekraftwerken etc.) regionale und dauerhafte Arbeitsplätze geschaffen.

Kritikern werden stets Schlagwörter wie: „Saubere Wasserkraft“, „Arbeitsplätze schaffen“ und „Wer gegen das Projekt ist, ist für den Atomstrom“ entgegengehalten. Der Bau des Kraftwerkes Mittlere Salzach – Werfen/Pfarrwerfen stellt jedoch ein Musterbeispiel für verfehlte Investitionen dar. Unsere Forderung nach einem Umdenken in der Energiepolitik geht in Richtung einer nachhaltigen, dezentralen und umweltschonenden Energieversorgung. Dafür sollen alle vorhandenen erneuerbaren Energieträger (Sonne, Wind, Biomasse), aber auch sinnvolle technische Lösungen wie Abwärmenutzung und Energievermeidung verwendet werden. Eine Änderung des Ökostromgesetzes soll nicht dazu beitragen, umweltpolitisch bedenkliche und energiepolitisch rückschrittliche Großprojekte zu fördern.