Kategoriearchive: ökologie

Man glaubt es fast nicht: Wer aufmerksam ist, kann an der Salzachböschung in Salzburg-Mülln gelegentlich noch Ringelnattern (Natrix natrix) beobachten.

www.herpetofauna.at:

„Trotz ihrer großen Verbreitung in Österreich zeichnen sich regional Rückgänge ab. Vor allem in den Agrarlandschaften Ostösterreichs und in einigen inneralpinen Tallandschaften (z. B. Salzach- und Inntal) erlitt die Art in den letzten Jahrzehnten starke Bestandseinbrüche. In diesen Gebieten wurden durch großflächige Zerstörung von Feuchtgebieten in Zuge von Flussregulierungen und der Intensivierung der Landwirtschaft die Lebensräume von Amphibien, den Hauptbeutetieren der Ringelnatter, stark reduziert.“

Auch der Lebensraum inmitten der Stadt Salzburg ist bedroht: Das Projekt Kraftwerk Lehen und die damit verbundene Anhebung des Wasserspiegels könnte das Ende für diese Population bedeuten.

Im Bereich des Lehener Parks und vermutlich auch in einem kleinen Restaubestand nahe dem Messezentrum (nach anderen Angaben auch unterhalb Salzburgs entlang der Salzach) gibt es Exemplare von Populus nigra (Schwarzpappel). Dieser Baum ist in Österreich selten (u.a. „Baum des Jahres 2006″) und im Land Salzburg stark gefährdet.

Alte Schwarzpappeln

Alte Schwarzpappel/ Populus nigra im Lehener Park (Foto: B. Heinze auf waldwissen.net)

Welche Auswirkungen hätte ein Kraftwerk Lehen auf die Schwarzpappel-Population? 
  

[10.9.2007] Das geplante Salzachkraftwerk im Salzburger Stadtteil Lehen sei keine Umweltbedrohung – im Gegenteil. Das sagt Sepp Eisl (ÖVP), Landesrat zuständig für Naturschutz und Wasserbau, und zitiert eine neue Studie.

[19.3.2008] Jetzt sind auch die Grünen der Stadt Kraftwerksbefürworter:

Stadtrat Johann Padutsch wünscht sich eine „künstlerische Gesamtleitung“, einer „rein technischen Lösung“ erteilt er eine Absage…

Alles nur eine Frage des Designs??? Raumplanung, Ökologie egal? Ausgerechnet im Naturschutzverfahren soll gute Architektur durchgesetzt werden. Nichts anderes? 

Die Befürworter ohne wenn und aber:

Salzburg AG, SPÖ Land, ÖVP Land, Wirtschaftskammer

Die Befürworter mit (kleinen) Einschränkungen:

SPÖ Stadt, Arbeiterkammer, Grüne Stadt

Die neutralen Beobachter:

Grüne Land

Die Gegner:

Anrainerinitiative, kraftwerklehen.wordpress.com

Salzburg ist im Bundesländervergleich absoluter Musterschüler was die Wasserqualität seiner Fließgewässer betrifft, betonte Umweltreferent LR Walter Blachfellner(SPÖ) am 25(?).2.2008 in einem Informationsgespräch: Von den bisher bewerteten 1.139 Flusskilometern weisen knapp ein Viertel einen sehr guten Zustand auf, zirka zehn Prozent liegen im Bereich gut. Die Hausaufgabe Abwasserreinigung wurde also erfüllt, so der Landesrat.

Und gibt es einen Wermutstropfen?

Ja einen sehr grossen sogar, betonte der Landesrat: 1.032(!) von insgesamt 1.561 km sind durch Kraftwerke und Regulierungsmassnahmen in einem Ausmass gestört, dass die Stufe gut trotz ausreichender Wasserqualität nicht erreicht werden kann. Ein „gesunder“ Fluss braucht nämlich nicht nur eine entsprechende Wassergüte, sondern muss auch z.B. Fischen einen entsprechenden Lebensraum bieten.

Und was soll man also tun?

Kraftwerke bauen, lautet sinngemäss die (absurde) Antwort. Ausgerechnet das geplante Kraftwerk unterhalb der Sohlstufe Lehen dient dabei als Beispiel, denn hier sei ein „moderner Fischaufstieg auch für Großfische wie den Huchen vom Turbinenauslauf in das Oberwasser geplant“.

Dass damit noch ein paar Kilometer Fluss zugebaut werden, scheint in Anbetracht dessen keine Rolle mehr zu spielen.